Januar 11, 2021 - Keine Kommentare!

Ein Hoch auf das Unperfekte!

Es war etwas ruhiger bei mir. Einige kennen den Grund: Wir sind mittlerweile zu viert. Und mir war in meiner zweiten Schwangerschaft nach mehr medialer Ruhe. Deswegen nun ein kurzes Roundup: Jede Schwangerschaft ist wie jedes Kind wohl einzigartig. Deswegen wollte ich von Anfang an nicht vergleichen. Die zweite Schwangerschaft war unerwartet und fühlte sich zugleich selbstverständlicher an. Glücklicherweise war sie größtenteils schön und entspannt. Das sage ich rückblickend.

Keine gravierenden Komplikationen, nur übliche Dinge, die eine Schwangerschaft eben so mit sich bringen kann: Krampfadern, Gewichtszunahme etc. Größtenteils habe ich meinen Körper für das gedankt, was er im Stande ist zu leisten. Größtenteils. Aber da waren auch eben auch Tage, in denen die Kleinigkeiten alles waren. Ich war nicht die perfekte Schwangere mit Dauergrinsen, mit kraftvoller Yogapraxis bis zum Ende (einige Tipps zum Yoga in der Schwangerschaft findest du hier). Ich wollte unbedingt daran festhalten und entsprach diesem Bild in meinen Augen überhaupt nicht mehr.

Die Suche nach Perfektion ist eines meiner Lebensthemen. Keine „perfekte“ Schwangerschaft, kein „perfekter“ Körper, keine „perfekte“ Mutter, kein „perfekter“ Text, keine „perfekte“ Wasauchimmer. Doch was ist „perfekt“? Was gut? Was schlecht? Was schön? Ist es die Norm? Oder der Durchschnitt? Kann etwas jemals „fertig“ sein? Selbst was sich für in einem Moment richtig und ganz anfühlt, muss im nächsten nicht mehr passen. Und erliegen wir der Illusion, dass etwas fertig sein muss, um perfekt zu sein, stempeln wir Dinge im Negativen als halbfertig ab, weil sie niemals fertig zu sein scheinen. Oder fangen gar nicht erst an aus der Angst zu scheitern. Und wir verlieren die Verbindung zu dem Moment, in dem wir gerade sind.

Auch im Yoga gibt es immer wieder Stimmen, die behaupten, eine Asana muss „so und so“ aussehen. Es gäbe nur eine richtige Ausrichtung, um die volle Fülle dieser Übung zu spüren. Aber ist das aus anatomischer Sicht so? Es gibt aus guten Gründen bestimmt Pflöcke. Ein Krieger 2 mit dem rechten Fuß vorne wird beispielsweise nie ein Krieger 2 wenn der linke Arm nach vorne und der rechte nach hinten zeigt. Aber muss das rechte Bein einen 90-Grad-Winkel vorweisen? Wenn wir bedenken, dass schon die Position des Blinddarms von Mensch zu Mensch variiert, lässt sich nur erahnen, wie unterschiedlich ihre Anatomie ist. Und wie wichtig es daher ist, im Yoga Tools an die Hand zu bekommen, um fühlen zu lernen, welche Ausrichtung dienlich – und welche es vielleicht auch nicht ist.

Das Schöne am Yoga ist doch dies: die Erinnerung daran, dass wir ständig in einem Prozess, Auf- und Umbau sind - es gibt unendlich viel Raum für Lernen und kreativen Ausdruck. Es zu tun inspiriert und öffnet für größere Fragen (auch im Alltag), die die ursprünglichen Themen kleiner werden lassen. Die Wahrheit ist doch: Es ist nie vollständig, es ist nie fertig, es ist unendlich.

Ein Hoch auf das Unperfekte! Das wird sein Jahr. Erlauben wir uns, mehr zu probieren. Standards oder Ziele zu haben – aber sie nicht wichtiger zu nehmen als das Leben. Ausprobieren, Scheitern, Neujustieren, Ankommen und Weiterziehen, Einatmen. Und Ausatmen. Durchzulüften, zu erfahren. Um mehr Weite, Durchlässigkeit, Fülle, Ehrlichkeit, Authentizität zu leben ebenso. Dies wird das Jahr des Unperfekten! Mein Jahr. Unser Jahr.

 

 

Veröffentlicht von: Tatjana in Abseits der Matte, Sonstiges

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